Branchenreport

30+ Wohnmobil-Insolvenzen Statistiken: Der Boom ist vorbei

Kaum eine Branche hat den Corona-Boom so heftig erlebt wie das Caravaning: volle Auftragsbücher, Lieferzeiten von zwei Jahren, Rekordpreise auch für Gebrauchte. Fünf Jahre später ist die Stimmung gekippt. Die Produktion der deutschen Hersteller bricht zweistellig ein, Händlerhöfe sind voll, Vermieter geraten unter die Räder ihrer eigenen Finanzierung und reihenweise landen Ausbauer, Handelsbetriebe und Camper-Start-ups vor dem Insolvenzgericht. Dieser Report bündelt über 30 aktuelle Zahlen dazu, wie sich Wohnmobil-Insolvenzen und die Krise der Caravaning-Branche entwickeln, welche Namen es zuletzt erwischt hat und woran es wirklich liegt.
Das Wichtigste in Kürze
14,1 Mrd. Euro Branchenumsatz der deutschen Caravaning-Industrie 2025, 6,5 Prozent weniger als im Vorjahr
-17 % Produktionsrückgang der deutschen Hersteller 2025 auf rund 99.000 Freizeitfahrzeuge
1 Mio. Wohnmobile im deutschen Bestand, diese Marke fiel erstmals am 1. April 2025
-25 % Umsatzeinbruch bei Knaus Tabbert 2024 auf 1,08 Milliarden Euro

Wohnmobile waren das Produkt der Pandemie: Urlaub ohne Hotel, ohne Flughafen, ohne fremde Menschen. Die Nachfrage explodierte, Hersteller bauten Kapazitäten auf, Händler kauften Höfe voll und Start-ups sammelten Kapital für Vermietflotten ein. Genau dieses Muster kennt man aus anderen Freizeitmärkten, etwa der Fahrradbranche, die denselben Zyklus aus Übernachfrage, Überbestand und Preisverfall durchlaufen hat. Am Ende steht in beiden Fällen dieselbe Rechnung: zu viel Ware, zu teure Finanzierung, zu wenig Käufer. Die folgenden über 30 Zahlen ordnen ein, wie tief die Caravaning-Branche inzwischen steckt.

1. Vom Boom zum Absturz: der Markt in Zahlen

1

2020 wurden in Deutschland erstmals über 100.000 Freizeitfahrzeuge neu zugelassen.

Insgesamt kamen 107.203 Reisemobile und Caravans neu auf die Straße, ein Plus von 32,6 Prozent gegenüber 2019. Allein die Reisemobile legten um 44,8 Prozent auf 78.055 Einheiten zu, bei den Caravans war das Ergebnis mit 29.148 Fahrzeugen das beste seit 1994.1

2

2021 verzeichneten die Reisemobile mit 81.420 Neuzulassungen das elfte Rekordjahr in Folge.

Der Gesamtumsatz der Branche stieg auf 13,9 Milliarden Euro, ein Plus von 12,1 Prozent. Die deutschen Hersteller produzierten in diesem Jahr 130.666 Freizeitfahrzeuge, davon gingen rund 55.000 in den Export. Es war der Höhepunkt eines Zyklus, der danach kippte.2

3

Wir erfassen jede eröffnete Firmeninsolvenz aus dem amtlichen Justizportal.

Bei InsolvenzTracker werten wir die Bekanntmachungen der deutschen Insolvenzgerichte nahezu in Echtzeit aus, oft Wochen bevor die amtliche Statistik den Zeitraum überhaupt abschließt. Wohnmobilhändler, Reisemobil-Ausbauer und Vermietfirmen tauchen dort seit 2024 spürbar häufiger auf.3

4

2025 sanken die Neuzulassungen auf 94.134 Freizeitfahrzeuge, bei Caravans um 13,4 Prozent.

Der Gesamtmarkt gab um 2,3 Prozent nach, die Caravans rutschten auf 18.766 Einheiten. Aufschlussreicher ist die Aufteilung bei den Reisemobilen: Private Zulassungen stiegen um 7,2 Prozent, die gewerblichen Zulassungen brachen um 9,7 Prozent ein. Genau dahinter stehen die Vermieter, die ihre Flotten nicht mehr aufstocken.4

5

Am 1. April 2025 überschritt der Wohnmobilbestand erstmals eine Million Fahrzeuge.

1.002.562 Wohnmobile waren im Zentralen Fahrzeugregister erfasst, 2017 waren es erst 450.167. Der Bestand hat sich also binnen acht Jahren mehr als verdoppelt. Meistgenutztes Basisfahrzeug ist mit 427.590 Einheiten und 42,6 Prozent Anteil der Fiat Ducato.5

6

Im ersten Quartal 2025 fielen die Reisemobil-Neuzulassungen um 14,7 Prozent.

Nur noch 16.889 Reisemobile wurden in den ersten drei Monaten zugelassen, bei den Caravans waren es 4.741 Einheiten und damit 5,7 Prozent weniger. Der Jahresstart zeigte damit deutlich schwächer als die spätere Jahresbilanz, die vom Privatkundengeschäft gestützt wurde.6

2. Produktion, Umsatz und Hersteller unter Druck

Der Zulassungsmarkt fällt vergleichsweise moderat, die Produktion dagegen bricht ein. Das ist typisch für einen Lagerabbau: Die Hersteller drosseln, weil bei den Händlern noch Fahrzeuge aus den Boomjahren stehen. Für die Werke und ihre Zulieferer bedeutet das dasselbe wie in der Automobilzulieferindustrie: Kurzarbeit, Kapazitätsanpassungen und Stellenabbau.

7

Die Produktion der deutschen Hersteller brach 2025 um 17 Prozent auf rund 99.000 Fahrzeuge ein.

Rund 42.000 dieser Freizeitfahrzeuge gingen in den Export. Der Branchenumsatz sank im selben Jahr um etwa 6,5 Prozent auf 14,1 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2021 verließen noch 130.666 Einheiten die Bänder.7

8

Wir zählen ausschließlich echte Unternehmensinsolvenzen.

Für Auswertungen wie diese filtern wir auf eröffnete Firmeninsolvenzen und blenden Privatinsolvenzen, Einzelunternehmer und Nachlassverfahren aus. Jeder Fall ist um Branche, Rechtsform, Standort und zuständiges Amtsgericht angereichert, so lassen sich Fahrzeugbau, Kfz-Handel und Vermietung sauber voneinander trennen.8

9

Knaus Tabbert verlor 2024 rund 25 Prozent Umsatz und schrieb 48 Millionen Euro Verlust.

Der Erlös des größten börsennotierten deutschen Herstellers fiel von 1,44 auf 1,08 Milliarden Euro. Ab dem 18. November 2024 stoppte das Unternehmen die Produktion an den Hauptwerken Jandelsbrunn und Nagyoroszi in Ungarn, betroffen war die Mehrheit der rund 4.000 Beschäftigten. Eine Insolvenz war das ausdrücklich nicht.9

10

Im ersten Quartal 2025 sackte der Umsatz von Knaus Tabbert um 21,5 Prozent auf 295,6 Millionen Euro.

Das bereinigte EBITDA fiel um 78 Prozent von 38,8 auf 8,5 Millionen Euro, die Marge rutschte von 10,3 auf 2,9 Prozent. Ursache war vor allem die Produktionsunterbrechung, die bis Ende Januar 2025 andauerte.10

11

165 Polizisten durchsuchten am 27. November 2024 die Firmenzentrale von Knaus Tabbert.

Am selben Tag entließ das Unternehmen zwei seiner drei Vorstandsmitglieder fristlos. Die Staatsanwaltschaft Landshut warf ihnen vor, Bestechungsgelder von mindestens 50.000 Euro von Zulieferern angenommen zu haben, und ermittelte auch in weiteren Bundesländern und in der Schweiz.11

12

Die Knaus-Tabbert-Aktie fiel von 48,50 Euro auf 11 Euro.

Vom Jahreshoch im Mai 2024 ging es bis zum Tag der Razzia Ende November 2024 nach unten, allein an diesem Tag verlor der Kurs elf Prozent. Der Börsenwert des Herstellers lag danach bei knapp 132 Millionen Euro.12

13

Rund 170 der 1.700 Beschäftigten in Jandelsbrunn verloren Ende Januar 2025 ihren Job.

Die Kündigungen wurden auf einer Betriebsversammlung am 23. Januar 2025 verkündet und zum 31. Januar wirksam, die übrigen Mitarbeiter gingen in Kurzarbeit. Bereits ab dem 1. September 2024 war für den gesamten Standort Kurzarbeit beantragt und genehmigt worden.13

14

Aus einer Schlagzeile werden in den Daten oft mehrere Verfahren.

Größere Caravaning-Gruppen bestehen aus Vertriebs-, Produktions- und Servicegesellschaften, die getrennt und zeitversetzt vor unterschiedlichen Amtsgerichten landen. Weil wir jeden Eintrag einzeln erfassen und geografisch verorten, wird auf der Insolvenzkarte sichtbar, wie sich so ein Fall über Wochen ausbreitet.14

15

Dethleffs trennte sich Ende 2025 von 90 Mitarbeitern am Standort Isny.

Der zur Erwin Hymer Group gehörende Hersteller kündigte den Schritt am 7. November 2025 an und begründete ihn mit einer Anpassung der Kapazitäten. Der Abbau sollte bis Dezember 2025 abgeschlossen sein.15

16

Beim Caravan-Hersteller LMC in Sassenberg wurden 106 Entlassungen gemeldet.

Der Schritt wurde am 24. Juni 2026 bekannt, zusätzlich sollen einzelne Bereiche ausgegliedert werden. Der westfälische Traditionshersteller reiht sich damit in die Reihe der Werke ein, die ihre Kapazitäten an das eingebrochene Produktionsniveau anpassen.16

3. Die Insolvenzfälle: Ausbauer, Händler, Vermieter

Die großen Hersteller kürzen, die Insolvenzen treffen bislang vor allem die Stufen darunter: Ausbauer, Ausrüster, Handelsbetriebe und Vermietplattformen. Das Muster ähnelt dem im Autohandel, wo ebenfalls die Händlerstufe zuerst kippt, weil dort das Lagerrisiko liegt.

17

Der Camper-Vermieter Off, früher CamperBoys, meldete am 24. Oktober 2024 Insolvenz an.

Das 2016 gegründete Unternehmen betrieb Standorte unter anderem in München, Hamburg, Stuttgart, Düsseldorf und Halle. 2023 waren dort noch rund 100 Mitarbeiter an acht Stationen beschäftigt. In derselben Woche traf es auch den Berliner Camping-Modul-Anbieter Plugvan, dessen Verfahren beim Amtsgericht Charlottenburg läuft.17

18

Gleich drei Camper-Start-ups meldeten binnen einer Woche Insolvenz an.

Off, Plugvan und der Wohnmobilvermieter Roadfans stellten ihre Anträge Ende Oktober 2024 fast zeitgleich. Alle drei waren Kinder des Booms: gegründet oder stark gewachsen in der Phase, in der Camping als krisensichere Urlaubsform galt und Kapital reichlich verfügbar war.18

19

FreewayCamper aus München ging im März 2025 mit rund 30 Mitarbeitern in die Insolvenz.

Das 2019 gegründete Unternehmen betrieb über 50 Standorte in Deutschland und Italien. Als Gründe nannte es die Finanzierungskosten des großen eigenen Fahrzeugbestands, ein verändertes Buchungsverhalten der Kunden und den Preisverfall bei Gebrauchtfahrzeugen. Genau diese drei Faktoren wirken bei Vermietern zusammen.19

20

Die Fälle verteilen sich quer über die Republik.

Von Schleswig-Holstein über Niedersachsen und Hessen bis Baden-Württemberg und Bayern erfassen wir Caravaning-Betriebe in praktisch allen Flächenländern. Weil jeder Eintrag Standort und Amtsgericht mitführt, lässt sich die regionale Verteilung des Insolvenzgeschehens in unseren Statistiken nachvollziehen.20

21

Klinke Caravaning stellte nach 68 Jahren den Betrieb ein, 48 Mitarbeiter verloren ihre Arbeit.

Der Händler aus Loxstedt-Stotel im Landkreis Cuxhaven hatte im November 2024 Insolvenz angemeldet. Der Fahrzeugverleih endete am 31. Mai 2025, der gesamte Geschäftsbetrieb zum 30. Juni 2025, nachdem alle potenziellen Investoren ihre Kaufangebote zurückgezogen hatten.21

22

Die Handelsgruppe CB Camper Base rutschte im Oktober 2024 mit vier Standorten in die Insolvenz.

Betroffen waren Ginsheim-Gustavsburg in Hessen, Wesseling in Nordrhein-Westfalen sowie Freiburg und Maulburg in Baden-Württemberg. Im Zusammenhang mit dem Fall ermitteln die Staatsanwaltschaften Köln und Darmstadt wegen Betrugsverdachts gegenüber Kunden, die Anzahlungen geleistet hatten.22

23

Schafhäutle Reisemobile ist innerhalb von zwei Jahren zum zweiten Mal insolvent.

Am 26. Juni 2026 eröffnete das Amtsgericht Heilbronn das Verfahren über den Betrieb in Kirchheim am Neckar, betroffen sind rund 20 Beschäftigte. Der Betrieb läuft vorläufig weiter und die Löhne sind über Insolvenzgeld für bis zu drei Monate gesichert, parallel wird ein Investor gesucht und die Werksschließung vorbereitet.23

4. Gebrauchtmarkt, Preise und Kosten

Der eigentliche Sprengsatz liegt nicht im Neugeschäft, sondern auf den Höfen. Wer Fahrzeuge über eine Einkaufsfinanzierung im Bestand hält, zahlt Zinsen auf Ware, die täglich an Wert verliert. Fällt der Marktpreis schneller als der Bestand abschmilzt, reicht eine schwache Saison, um einen gesunden Händler zu kippen. Dasselbe Grundproblem trifft weite Teile des Einzelhandels, im Caravaning ist es wegen der hohen Stückpreise nur brutaler.

24

2025 gab es mit 192.239 Besitzumschreibungen einen Rekord am Gebrauchtmarkt.

Auf Reisemobile entfielen 111.034 Umschreibungen, ein Plus von 4,1 Prozent, auf Caravans 81.205 und damit 0,8 Prozent mehr. Insgesamt legte der Gebrauchtmarkt um 2,7 Prozent zu. Der Bestand wechselt also den Besitzer, statt durch Neukäufe ersetzt zu werden, und genau das entzieht Herstellern und Händlern die Marge.24

25

2024 fielen die Wohnmobilpreise so stark wie seit über 15 Jahren nicht mehr.

Bei Kastenwagen, Alkovenmodellen und vollintegrierten Fahrzeugen wurden zweistellige prozentuale Wertverluste verzeichnet. Junge Gebrauchte verlieren im ersten Jahr rund 20 Prozent an Wert, in den Folgejahren jährlich noch etwa 8 bis 10 Prozent. Wer 2022 zu Boompreisen eingekauft hat, sitzt damit auf einem strukturellen Verlust.25

26

Handel, Vermietung und Fahrzeugbau tauchen bei uns getrennt auf.

Weil jeder Fall eine Branchenzuordnung und eine Rechtsform trägt, lässt sich unterscheiden, ob es einen Hersteller, einen Händler oder einen Vermieter erwischt hat. Im Caravaning ist diese Unterscheidung entscheidend, denn die Kette bricht bisher von unten, also beim Handel und bei den Vermietflotten.26

27

Beim Ausbauer Salty Blue wurden einzelne Bauteile um bis zu 200 Prozent teurer.

Das 2022 gegründete Unternehmen aus Bargteheide mit 18 Mitarbeitern geriet zwischen explodierende Materialkosten und sinkende Nachfrage und meldete Insolvenz an. Die Eröffnung des Verfahrens war für den 1. März 2026 vorgesehen. Kleine Manufakturen können solche Sprünge kaum an Kunden weitergeben.27

28

Der Camping-Ausrüster Herzog rettete nach der Insolvenz alle rund 60 Arbeitsplätze.

Das über 120 Jahre alte Familienunternehmen aus Kirchheim am Neckar, bekannt für Vorzelte und im Wohnmobilhandel aktiv, stellte Anfang Juni 2025 beim Amtsgericht Heilbronn Insolvenzantrag. Zum 1. Juli 2025 übernahm die Familie Herzog gemeinsam mit einem Investor den Betrieb, alle Stellen am Standort blieben erhalten.28

5. Nachfrage, Insolvenzumfeld und Ausblick 2026

Bemerkenswert ist, dass die Nachfrage nach dem Urlaub selbst gar nicht eingebrochen ist. Gecampt wird so viel wie nie, nur gekauft und gemietet wird weniger. Die Konkurrenz durch Pauschal- und Fernreisen ist zurück, und der klassische Reiseveranstaltermarkt hat sich längst erholt. Das teure Eigenfahrzeug ist damit nicht mehr alternativlos, sondern eine Anschaffungsentscheidung wie jede andere.

29

2025 wurden auf deutschen Campingplätzen 44,7 Millionen Übernachtungen gezählt, ein Rekord.

Das waren 4,2 Prozent mehr als 2024 und 24,9 Prozent mehr als im Vor-Corona-Jahr 2019. Gleichzeitig verteuerten sich Übernachtungen auf Wohnmobilstellplätzen zwischen 2020 und 2025 um 32,2 Prozent und Campingplatzgebühren um 28,7 Prozent, während die allgemeinen Verbraucherpreise um 21,9 Prozent stiegen.29

30

Im zweiten Quartal 2026 gab es 4.996 Firmeninsolvenzen, den höchsten Stand seit über 21 Jahren.

Der IWH-Insolvenztrend zählte damit 9 Prozent mehr Fälle als im ersten Quartal 2026, allein im Juni 2026 waren es 1.702 Insolvenzen und damit 20 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Rund 45.500 Arbeitsplätze waren im Quartal betroffen, und die Forscher erwarten auch für das dritte Quartal höhere Werte als im Vorjahr.30

31

Die nächsten Fälle stehen bereits in den Bekanntmachungen.

Solange die Höfe voll sind, die Finanzierungskosten hoch bleiben und die Gebrauchtpreise nachgeben, dürften weitere Händler, Ausbauer und Vermieter folgen. Wer wissen will, welche Betriebe gerade betroffen sind und wo sie sitzen, sieht das auf der Insolvenzkarte oft Tage vor den Schlagzeilen.31

Häufige Fragen

Welche Wohnmobilhersteller und Händler sind insolvent?

Insolvent wurden unter anderem der Ausbauer Salty Blue aus Bargteheide mit 18 Mitarbeitern, Schafhäutle Reisemobile in Kirchheim am Neckar mit rund 20 Beschäftigten (Verfahrenseröffnung am 26. Juni 2026 beim Amtsgericht Heilbronn) und der Camping-Ausrüster Herzog mit rund 60 Mitarbeitern. Im Handel traf es Klinke Caravaning aus Loxstedt-Stotel mit 48 Beschäftigten, das nach 68 Jahren zum 30. Juni 2025 schloss, sowie die Gruppe CB Camper Base mit vier Standorten. Bei den Vermietern meldeten Off (früher CamperBoys), Plugvan und Roadfans binnen einer Woche im Oktober 2024 Insolvenz an, FreewayCamper aus München folgte im März 2025 mit rund 30 Mitarbeitern. Die großen Hersteller wie Knaus Tabbert sind nicht insolvent, bauen aber Stellen ab.

Wie geht es der Caravaning-Branche 2026?

Die Branche befindet sich in einer Konsolidierung nach dem Corona-Boom. Der Branchenumsatz sank 2025 um rund 6,5 Prozent auf 14,1 Milliarden Euro, die Produktion der deutschen Hersteller brach um 17 Prozent auf etwa 99.000 Freizeitfahrzeuge ein. Die Neuzulassungen gaben mit 94.134 Fahrzeugen um 2,3 Prozent nach, bei Caravans sogar um 13,4 Prozent. Auffällig ist die Spaltung: Private Reisemobil-Zulassungen stiegen um 7,2 Prozent, die gewerblichen Zulassungen der Vermieter fielen um 9,7 Prozent.

Warum gehen so viele Wohnmobilhändler pleite?

Der Kern des Problems liegt im Lager. Händler halten teure Fahrzeuge über Einkaufsfinanzierungen im Bestand und zahlen Zinsen auf Ware, die an Wert verliert. 2024 fielen die Wohnmobilpreise so stark wie seit über 15 Jahren nicht mehr, bei Kastenwagen, Alkovenmodellen und vollintegrierten Fahrzeugen zweistellig. Junge Gebrauchte verlieren im ersten Jahr rund 20 Prozent, danach jährlich 8 bis 10 Prozent. Wer 2022 zu Boompreisen eingekauft hat, sitzt damit auf einem strukturellen Verlust.

Was ist bei Knaus Tabbert passiert?

Knaus Tabbert ist nicht insolvent, steckt aber in einer schweren Krise. Der Umsatz fiel 2024 um rund 25 Prozent von 1,44 auf 1,08 Milliarden Euro, unter dem Strich stand ein Verlust von etwa 48 Millionen Euro. Ab dem 18. November 2024 stoppte das Unternehmen die Produktion in Jandelsbrunn und im ungarischen Nagyoroszi, betroffen war die Mehrheit der rund 4.000 Beschäftigten. Am 27. November 2024 durchsuchten 165 Polizisten die Firmenzentrale, zwei von drei Vorständen wurden wegen Bestechungsvorwürfen fristlos entlassen. Ende Januar 2025 verloren rund 170 der 1.700 Beschäftigten in Jandelsbrunn ihren Job.

Wie viele Wohnmobile gibt es in Deutschland?

Am 1. April 2025 überschritt der Bestand erstmals eine Million Fahrzeuge, konkret waren 1.002.562 Wohnmobile im Zentralen Fahrzeugregister erfasst. 2017 waren es erst 450.167, der Bestand hat sich also binnen acht Jahren mehr als verdoppelt. Meistgenutztes Basisfahrzeug ist mit 427.590 Einheiten und 42,6 Prozent Anteil der Fiat Ducato. Der Gebrauchtmarkt erreichte 2025 mit 192.239 Besitzumschreibungen einen Rekordwert.

Diese Daten verwenden

Sie betreiben eine Website oder schreiben einen Artikel? Verlinken Sie mit diesem fertigen Snippet auf diese Auswertung. Eine Verlinkung als Quelle ist ausdrücklich erwünscht.

HTML

<a href="https://insolvenzkarte.de/blog/wohnmobil-insolvenzen/">30+ Wohnmobil-Insolvenzen Statistiken: Der Boom ist vorbei</a> | Insolvenzkarte

Diese Statistiken zitieren

So zitieren Sie diese Auswertung in wissenschaftlichen Arbeiten oder Artikeln:

APA

Kuch, M. (2026). 30+ Wohnmobil-Insolvenzen Statistiken: Der Boom ist vorbei. Insolvenzkarte. https://insolvenzkarte.de/blog/wohnmobil-insolvenzen/

MLA

Kuch, Max. „30+ Wohnmobil-Insolvenzen Statistiken: Der Boom ist vorbei.“ Insolvenzkarte, 24.07.2026, https://insolvenzkarte.de/blog/wohnmobil-insolvenzen/

Quellenverzeichnis

  1. 1 CIVD (civd.de)
  2. 2 Auto-Medienportal (auto-medienportal.net)
  3. 3 InsolvenzTracker (insolvenztracker.de)
  4. 4 CIVD (civd.de)
  5. 5 Kraftfahrt-Bundesamt (kba.de)
  6. 6 promobil (promobil.de)
  7. 7 CIVD (civd.de)
  8. 8 InsolvenzTracker (insolvenztracker.de)
  9. 9 auto motor und sport (auto-motor-und-sport.de)
  10. 10 Knaus Tabbert AG (knaustabbert.de)
  11. 11 Handelsblatt (handelsblatt.com)
  12. 12 Der Aktionär (deraktionaer.de)
  13. 13 da Hog'n (hogn.de)
  14. 14 InsolvenzTracker (insolvenztracker.de)
  15. 15 Schwäbische Zeitung (schwaebische.de)
  16. 16 Die Glocke (die-glocke.de)
  17. 17 Explorer Magazin (explorer-magazin.com)
  18. 18 Business Insider (businessinsider.de)
  19. 19 nordbayern.de (nordbayern.de)
  20. 20 InsolvenzTracker (insolvenztracker.de)
  21. 21 promobil (promobil.de)
  22. 22 NWZonline (nwzonline.de)
  23. 23 Stuttgarter Zeitung (stuttgarter-zeitung.de)
  24. 24 CIVD (civd.de)
  25. 25 Caravana (caravana.de)
  26. 26 InsolvenzTracker (insolvenztracker.de)
  27. 27 t-online (t-online.de)
  28. 28 STIMME.de (stimme.de)
  29. 29 Statistisches Bundesamt (destatis.de)
  30. 30 IWH Halle (iwh-halle.de)
  31. 31 InsolvenzTracker (insolvenztracker.de)
Max Kuch

Über den Autor

Max Kuch

Gründer von InsolvenzTracker

Max Kuch ist studierter Ökonom und Digitalunternehmer. Über mehrere Projekte im Bereich Insolvenzen wertet er täglich die aktuellen amtlichen Bekanntmachungen aus und beobachtet die Entwicklung der Insolvenzen in verschiedenen Branchen, in Deutschland wie im europäischen Ausland. Seine Auswertungen verbinden offizielle Statistiken mit tagesaktuellen Daten direkt aus den Insolvenzgerichten und machen Trends sichtbar, oft lange bevor sie in der öffentlichen Statistik auftauchen. Sein Ziel ist es, wirtschaftliche Entwicklungen früh, faktenbasiert und verständlich einzuordnen.

Insolvenzen live verfolgen

Die Insolvenzkarte zeigt täglich neue Firmeninsolvenzen in Deutschland auf einer interaktiven Karte. Detaillierte Auswertungen und Frühwarnungen gibt es bei InsolvenzTracker.

Zur Insolvenzkarte