Branchenreport

30+ Landwirtschaft-Insolvenzen Statistiken: Das Höfesterben

Wenn ein Hof aufgibt, steht das selten in der Zeitung. Anders als in Industrie oder Handel endet in der Landwirtschaft nur ein kleiner Teil der Betriebe vor dem Insolvenzgericht: Die meisten Höfe sind Einzelunternehmen, sie verpachten ihre Flächen, verkaufen das Vieh und verschwinden lautlos aus der Statistik. Sichtbar werden dagegen die Kapitalgesellschaften und Genossenschaften der Branche, und dort häufen sich die Verfahren. Dieser Report bündelt über 30 aktuelle Zahlen dazu, wie sich Insolvenzen in der Landwirtschaft in Deutschland entwickeln, welche Agrarbetriebe es zuletzt getroffen hat und warum die amtliche Insolvenzstatistik nur einen Bruchteil des Höfesterbens abbildet.
Das Wichtigste in Kürze
96 Unternehmensinsolvenzen in Land- und Forstwirtschaft und Fischerei im Jahr 2025
255.000 landwirtschaftliche Betriebe gab es 2023, rund 7.800 weniger als 2020
2.600 Höfe geben im Schnitt pro Jahr auf, fast nie über ein Insolvenzverfahren
15,27 ct fehlten Milcherzeugern im April 2026 je Kilogramm zur Kostendeckung

Die Landwirtschaft gilt als krisenfest: Gegessen wird immer, Boden bleibt Boden. Tatsächlich ist die Branche aber genauso von Kostenexplosionen, Preisverfall und Kapitalbedarf getroffen wie das Bäckerhandwerk oder die Brauwirtschaft, mit denen sie über die Wertschöpfungskette eng verbunden ist. Nur zeigt sich die Krise hier anders: nicht als Insolvenzwelle, sondern als jahrzehntelanger, weitgehend geräuschloser Rückzug. Die folgenden über 30 Zahlen ordnen ein, wie groß das Problem wirklich ist.

1. Was die Insolvenzstatistik über die Landwirtschaft sagt

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2025 wurden im Wirtschaftsabschnitt Land- und Forstwirtschaft, Fischerei 96 Unternehmensinsolvenzen beantragt.

Im Jahr davor waren es 69 Fälle, 2023 lag der Wert bei 102 und 2021 bei 97. Die Zahlen stammen aus der amtlichen Insolvenzstatistik und wurden über eine Anfrage im Bundestag öffentlich. Gemessen an rund 255.000 landwirtschaftlichen Betrieben ist das eine sehr niedrige Quote, und genau das ist der eigentliche Befund dieser Branche.1

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Wir erfassen jede Insolvenzeröffnung direkt aus dem amtlichen Justizportal.

Bei InsolvenzTracker lesen wir die Bekanntmachungen der Insolvenzgerichte nahezu in Echtzeit aus, oft Wochen bevor eine Zahl in der offiziellen Monatsstatistik erscheint. Agrarbetriebe, Landhandel, Tierhaltung und Biogasgesellschaften laufen dabei als einzelne Verfahren durch, mit Datum, Amtsgericht und Aktenzeichen.2

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Insgesamt zählten die Amtsgerichte 2025 in Deutschland 24.064 beantragte Unternehmensinsolvenzen.

Das waren 10,3 Prozent mehr als im Vorjahr und der höchste Stand seit 2014. Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger summierten sich auf rund 47,9 Milliarden Euro, nach 58,1 Milliarden Euro im Jahr 2024.3

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Wir zählen ausschließlich echte Firmeninsolvenzen.

Für unsere Auswertungen filtern wir auf eröffnete Unternehmensinsolvenzen und blenden Privatinsolvenzen, Einzelunternehmer und Nachlassverfahren aus. Jeder Fall wird um Branche, Rechtsform, Standort und zuständiges Amtsgericht angereichert, so lassen sich Agrarbetriebe, Genossenschaften und vorgelagerte Handelsstufen sauber voneinander trennen.4

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Creditreform zählte für 2025 rund 23.900 Unternehmensinsolvenzen und 57 Milliarden Euro Schaden.

Gegenüber 22.070 Fällen im Jahr 2024 entspricht das einem Plus von 8,3 Prozent und dem höchsten Stand seit über zehn Jahren. Die geschätzte Schadenssumme lag bei rund 57 Milliarden Euro, nach 59,1 Milliarden Euro im Vorjahr. Landwirtschaftliche Unternehmen geraten damit in ein Umfeld, in dem das Insolvenzgeschehen ohnehin auf Höchstniveau läuft.5

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Im zweiten Quartal 2026 registrierte das IWH 4.996 Firmeninsolvenzen, den höchsten Wert seit 2005.

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle zählte damit so viele Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften wie zuletzt im zweiten Quartal 2005. Betroffen waren rund 45.500 Arbeitsplätze. Allein im Juni 2026 lag der Wert mit 1.702 Fällen 20 Prozent über dem Vorjahresmonat.6

2. Das stille Höfesterben neben der Statistik

Wer die Krise der Landwirtschaft nur an Insolvenzzahlen misst, misst das Falsche. Der Rückzug läuft über Betriebsaufgaben, Verpachtung und ungeklärte Hofnachfolge, und keiner dieser Vorgänge erzeugt eine Bekanntmachung bei Gericht.

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Unsere Daten zeigen die Agrar-GmbHs und Genossenschaften, nicht die stillen Hofaufgaben.

Weil wir Einzelunternehmer bewusst herausfiltern, bildet unsere Datenbank genau den Teil der Agrarbranche ab, der überhaupt insolvenzfähig sichtbar wird: Kapitalgesellschaften, Personengesellschaften und eingetragene Genossenschaften. Der weit größere Teil des Strukturwandels, die aufgebende Familie ohne Nachfolger, taucht dagegen in keiner Insolvenzstatistik auf, weder in unserer noch in der amtlichen.7

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2023 gab es in Deutschland noch rund 255.000 landwirtschaftliche Betriebe.

Das waren etwa 7.800 Betriebe oder 3 Prozent weniger als 2020. Zugleich wuchs die durchschnittliche Betriebsgröße auf 65 Hektar, nach 63 Hektar im Jahr 2020, 56 Hektar im Jahr 2010 und rund 37 Hektar um die Jahrtausendwende. Die Fläche bleibt, sie verteilt sich nur auf immer weniger Betriebe.8

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85 Prozent der Betriebe sind Einzelunternehmen, sie bewirtschaften aber nur noch 61 Prozent der Fläche.

2013 waren es noch 65 Prozent, 2003 sogar 69 Prozent. Personengesellschaften stellten 2023 rund 12 Prozent der Betriebe bei 22 Prozent der Fläche, juristische Personen wie GmbHs und Genossenschaften kamen auf rund 6.200 Unternehmen und etwa 17 Prozent der Agrarfläche. Genau diese Rechtsformen sind es, die im Ernstfall ein Insolvenzverfahren durchlaufen.9

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Agrargenossenschaften bewirtschaften in Ostdeutschland rund 1,4 Millionen Hektar.

Das entspricht etwa einem Viertel der landwirtschaftlichen Nutzfläche in den ostdeutschen Ländern, in Sachsen sind es 37 Prozent, in Thüringen 43 Prozent. Rund 13.000 Menschen arbeiten in diesen Unternehmen. Wenn eine Agrargenossenschaft insolvent wird, hängen daran nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch die Pachtverträge und Genossenschaftsanteile von Dutzenden Familien im Ort.10

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Die Zahl der Milchviehbetriebe fiel binnen drei Jahren um 14 Prozent auf 46.600.

Der Milchkuhbestand sank im selben Zeitraum nur um 4 Prozent auf 3,8 Millionen Tiere, die Herden werden also größer. Noch drastischer ist es bei den Schweinen: Von 2020 bis 2023 gaben 13 Prozent der schweinehaltenden Betriebe auf, es blieben rund 27.600 Höfe bei einem um 15 Prozent geschrumpften Bestand von 22,4 Millionen Tieren.11

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Ackerland kostete 2024 im Bundesschnitt 42.800 Euro je Hektar.

Die Kaufwerte landwirtschaftlicher Flächen stiegen 2024 um 5 Prozent auf durchschnittlich 35.300 Euro je Hektar, Ackerland allein legte um 6 Prozent zu. Im Westen kostete ein Hektar Ackerland 53.500 Euro und damit mehr als dreimal so viel wie im Osten mit 16.800 Euro. Für wachsende Betriebe bedeutet das Kapitalbedarf, der bei steigenden Zinsen schnell zur Belastung wird.12

3. Preise, Kosten und Einkommen unter Druck

Nach den Rekordjahren 2021/22 und 2022/23 hat sich die Ertragslage gedreht. Die Erzeugerpreise fallen, die Betriebsmittel bleiben teuer, und viele Betriebe finanzieren noch Investitionen, die sie in den guten Jahren angestoßen haben.

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Das Unternehmensergebnis der Haupterwerbsbetriebe lag 2024/25 bei 78.500 Euro je Betrieb.

Damit blieb es auf Vorjahresniveau. Der Deutsche Bauernverband spricht in seinem Situationsbericht von einer Seitwärtsbewegung: Die Ergebnisse stagnieren, während die allgemeine Preisentwicklung weiterläuft. Aus dem Betrag müssen Lebensunterhalt der Familie, Altersvorsorge und Eigenkapitalbildung für Investitionen gleichzeitig gedeckt werden.13

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Der Milcherlös brach von 61,5 auf 49,1 Cent je Kilogramm ein.

Im ersten Quartal 2026 erlösten die deutschen Milcherzeuger im Schnitt 49,1 Cent je Kilogramm Milch, ein Jahr zuvor waren es noch 61,5 Cent. Ein Minus von rund 12,4 Cent trifft einen Betrieb mit einer Million Kilogramm Jahresanlieferung mit etwa 124.000 Euro weniger Erlös, bei praktisch unveränderten Fixkosten.14

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Im April 2026 fehlten den Milcherzeugern 15,27 Cent je Kilogramm zur Kostendeckung.

Den durchschnittlichen Produktionskosten von 54,79 Cent je Kilogramm stand ein Auszahlungspreis von nur 39,52 Cent gegenüber. Solche Unterdeckungen lassen sich einige Monate aus Rücklagen überbrücken, über ein ganzes Wirtschaftsjahr hinweg jedoch nicht. Genau in dieser Phase entstehen die Zahlungsstockungen, die später als Insolvenzantrag sichtbar werden.15

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Wir sehen, wo sich die Agrarfälle regional ballen.

Weil jeder Eintrag Standort und zuständiges Amtsgericht enthält, lässt sich nachvollziehen, in welchen Landkreisen sich Verfahren aus Tierhaltung, Landhandel und Agrarproduktion häufen. Die regionale Verteilung aller erfassten Firmeninsolvenzen ist in unseren Statistiken einsehbar.16

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Die Erzeugerpreise lagen im Mai 2026 um 13,9 Prozent unter dem Vorjahr.

Tierische Erzeugnisse verbilligten sich um 15,9 Prozent, pflanzliche um 10,4 Prozent. Getreide kostete 9,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, bei Kartoffeln lag das Minus mit 53,5 Prozent besonders drastisch. Wer 2025 noch mit auskömmlichen Erlösen kalkuliert hatte, stand ein Jahr später vor einer völlig anderen Rechnung.17

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Die volle Agrardiesel-Rückvergütung von 21,48 Cent je Liter gilt erst wieder ab 2026.

2025 lag die Rückerstattung nur bei 6,44 Cent je Liter. Der Bundestag machte die schrittweise Streichung, die 2023 die Bauernproteste ausgelöst hatte, am 6. November 2025 rückgängig. Ab dem Verbrauchsjahr 2026 fließen den Betrieben damit wieder rund 430 Millionen Euro Steuerentlastung zu, für die Jahre dazwischen gilt das nicht.18

4. Die Fälle: von der Agrargenossenschaft bis zur Molkerei

Sichtbar wird die Krise dort, wo Agrarunternehmen als Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft organisiert sind. Betroffen ist die gesamte Kette: Tierhaltung, Verarbeitung, Landhandel und die vorgelagerte Logistik, in der sich ähnliche Muster zeigen wie bei den Speditionen.

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Die Raiffeisen-Schulz Agrar GmbH aus Gerolzhofen ging im Juni 2026 in die vorläufige Insolvenzverwaltung.

Das Amtsgericht Schweinfurt ordnete die vorläufige Verwaltung am 17. Juni 2026 an, der Antrag war wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt worden. Das unterfränkische Unternehmen betreibt Agrarhandel, Energiegeschäft, Nahversorgung und Baumärkte an vier Standorten, betroffen sind damit auch die Landwirte, die dort ihre Ernte abliefern.19

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Bei der Winzergenossenschaft Winzer von Baden sind rund 900 Mitgliedswinzer betroffen.

Die Genossenschaft aus Wiesloch in Nordbaden stellte Anfang Juli 2026 einen Insolvenzantrag, 45 Mitarbeitende und rund 900 Mitgliedsbetriebe hängen daran. Als Gründe nennt das Unternehmen gestiegene Kosten für Energie, Verpackung und Logistik sowie verändertes Konsumverhalten, es standen Verluste von 1,1 Millionen Euro und Verbindlichkeiten von 6,8 Millionen Euro im Raum.20

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Bei der PORKY Gröden Schweinezucht deckten die Verkaufspreise nur noch 60 Prozent der Kosten.

Das Amtsgericht Dessau-Roßlau eröffnete am 1. April 2026 das Verfahren über den Betrieb aus Jessen an der Elster mit rund 50 Beschäftigten. Auslöser war der Preisverfall am Schweinefleischmarkt Ende 2025 durch Überangebot und internationale Handelskonflikte. Anfang 2026 deckten die Verkaufspreise nur noch etwa 60 Prozent der Herstellungskosten.21

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Aus einer Schlagzeile werden oft mehrere Verfahren.

Verbundene Agrarunternehmen rutschen selten gemeinsam in ein einziges Verfahren. In unseren Daten zerfällt eine Gruppeninsolvenz in einzelne Einträge je Gesellschaft und Amtsgericht, häufig mit Wochen Abstand. Erst die Summe dieser Einzelverfahren zeigt, wie groß ein Fall tatsächlich ist.22

23

Die Agrargenossenschaft Hermsdorfer Kreuz war bei Verfahrenseröffnung praktisch schon leer.

Das Amtsgericht Gera eröffnete am 18. Januar 2024 das Insolvenzverfahren über die thüringische Genossenschaft. Der Geschäftsbetrieb war zu diesem Zeitpunkt nahezu eingestellt, verblieben waren rund 70 Tiere und 55 Hektar Fläche. Der Insolvenzverwalter leitete einen Investorenprozess zum Verkauf der Flächen ein.23

24

Beim Geflügelhof Grellenberg in Grimmen lagen zwei Monate zwischen Antrag und Eröffnung.

Der Betrieb aus Mecklenburg-Vorpommern stellte am 8. August 2025 den Insolvenzantrag, das Amtsgericht Stralsund eröffnete das Verfahren am 10. Oktober 2025 wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Diese Zeitspanne zwischen Antrag und Eröffnung ist typisch und der Grund, warum die amtliche Jahresstatistik einer Branchenkrise immer hinterherläuft.24

25

Die Bliesgau-Molkerei im Saarland scheiterte an rund 80.000 Euro offener Steuerzahlungen.

Der seit rund 20 Jahren bestehende Betrieb in Ommersheim mit zehn Mitarbeitenden befand sich seit September 2024 im Insolvenzverfahren. Der Fall zeigt, wie klein die Puffer in der regionalen Milchverarbeitung sind: Eine Summe im niedrigen sechsstelligen Bereich reicht aus, um einen etablierten Verarbeiter aus dem Markt zu nehmen.25

26

Der Gartenversender Gärtner Pötschke ging 2025 zum dritten Mal in die Insolvenz.

Anfang Juni 2025 stellte das Traditionsunternehmen erneut einen Insolvenzantrag, zuständig war das Amtsgericht Düsseldorf. Es war bereits das dritte Verfahren innerhalb weniger Jahre. Der Geschäftsbetrieb wurde zunächst fortgeführt, während die Investorensuche weiterlief.26

5. Seuchen, Wetter, Politik und der Ausblick 2026

Zur normalen Marktvolatilität kommen in der Landwirtschaft Risiken, die kein Betrieb steuern kann: Tierseuchen, Wetterextreme und politische Entscheidungen über Zahlungen, die für viele Höfe existenziell sind.

27

Der Maul- und Klauenseuche-Ausbruch in Brandenburg kostete die Landwirtschaft rund 8 Millionen Euro.

Im Januar 2025 wurde die Seuche in einer Wasserbüffelherde bei Hönow im Landkreis Märkisch-Oderland nachgewiesen, der erste Fall in Deutschland seit 1988. Rund 120 Betriebe waren betroffen, der wirtschaftliche Schaden für die Brandenburger Landwirtschaft lag bei etwa 8 Millionen Euro. Ein einziger Bestand kann so die Exportfähigkeit einer ganzen Branche kippen.27

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Die Getreideernte 2024 fiel mit 34,5 Millionen Tonnen um fast 10 Prozent unter das Mehrjahresmittel.

Gegenüber dem Vorjahr lag das Minus bei 9,1 Prozent, gegenüber dem sechsjährigen Mittel bei 9,9 Prozent. Verantwortlich waren ein nasser Herbst 2023, ein rekordwarmes Frühjahr mit Spätfrösten, großflächige Überschwemmungen und ein verregneter Sommer. Die Aprilfröste 2024 verursachten zusätzlich erhebliche Schäden im Obstbau.28

29

Rund 10.000 Biogasanlagen stehen vor dem Auslaufen ihrer EEG-Vergütung.

Die deutschen Biogasanlagen kommen zusammen auf etwa 6 Gigawatt Leistung. Anlagen aus den Jahren 2004 bis 2006 verlieren nach 20 Jahren ihre garantierte Vergütung, und das Ausschreibungsvolumen für die Anschlussförderung reicht bei weitem nicht für alle. Allein in Niedersachsen droht damit zwei Dritteln der Anlagen das Aus, ein Muster, das auch anderen Energieversorgern zu schaffen macht.29

30

Für 2026 erwartet Allianz Trade rund 24.450 Unternehmensinsolvenzen in Deutschland.

Nach etwa 24.300 Fällen im Jahr 2025, einem Plus von 11 Prozent, rechnet der Kreditversicherer für 2026 mit einem weiteren Anstieg um rund 1 Prozent. Bei den Großinsolvenzen mit mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz zählte Allianz Trade 2025 bereits 94 Fälle nach 87 im Vorjahr. Eine Entspannung ist damit auch für die Agrarwirtschaft nicht in Sicht.30

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Die nächsten Agrarfälle stehen bereits in den Bekanntmachungen.

Solange Erzeugerpreise fallen, Betriebsmittel teuer bleiben und Anschlussfinanzierungen teurer werden, dürften weitere Agrargenossenschaften, Tierhaltungsbetriebe und Landhändler folgen. Welche Standorte gerade betroffen sind, zeigt die Insolvenzkarte häufig Tage bevor der Fall überregional Schlagzeilen macht.31

Häufige Fragen

Wie viele Insolvenzen gibt es in der Landwirtschaft pro Jahr?

Im Wirtschaftsabschnitt Land- und Forstwirtschaft, Fischerei wurden 2025 in Deutschland 96 Unternehmensinsolvenzen beantragt. 2024 waren es 69 Fälle, 2023 lag der Wert bei 102 und 2021 bei 97. Gemessen an rund 255.000 landwirtschaftlichen Betrieben ist das eine sehr niedrige Quote. Der Grund: Die meisten Höfe sind Einzelunternehmen und geben still auf, statt ein Insolvenzverfahren zu durchlaufen.

Wie viele Landwirte geben jedes Jahr auf?

Zwischen 2020 und 2023 gaben in Deutschland durchschnittlich 2.600 landwirtschaftliche Betriebe pro Jahr auf. Zwischen 2013 und 2020 waren es noch 3.200 pro Jahr, zwischen 2010 und 2013 sogar 4.700. Insgesamt sank die Zahl der Betriebe bis 2023 auf rund 255.000, etwa 7.800 weniger als 2020. Die Fläche bleibt dabei in Bewirtschaftung, die durchschnittliche Betriebsgröße stieg auf 65 Hektar.

Warum gehen Bauern pleite?

Der Hauptgrund ist die Schere zwischen fallenden Erzeugerpreisen und hohen Kosten. Im Mai 2026 lagen die Erzeugerpreise 13,9 Prozent unter dem Vorjahr, tierische Erzeugnisse sogar 15,9 Prozent. Milcherzeugern fehlten im April 2026 bei Produktionskosten von 54,79 Cent und einem Auszahlungspreis von 39,52 Cent rund 15,27 Cent je Kilogramm zur Kostendeckung. Dazu kommen teure Flächen mit im Schnitt 42.800 Euro je Hektar Ackerland und Sonderrisiken wie Tierseuchen und Wetterextreme.

Welche Agrarbetriebe waren 2025 und 2026 insolvent?

Zu den bekannten Fällen zählen die Raiffeisen-Schulz Agrar GmbH aus Gerolzhofen, für die das Amtsgericht Schweinfurt am 17. Juni 2026 die vorläufige Insolvenzverwaltung anordnete, und die Winzergenossenschaft Winzer von Baden aus Wiesloch mit 45 Mitarbeitenden und rund 900 Mitgliedswinzern, die Anfang Juli 2026 einen Antrag stellte. Über die PORKY Gröden Schweinezucht und MAST GmbH aus Jessen mit rund 50 Beschäftigten wurde am 1. April 2026 das Verfahren eröffnet. Auch der Geflügelhof Grellenberg in Grimmen und der Gartenversender Gärtner Pötschke wurden 2025 insolvent.

Warum tauchen Hofaufgaben nicht in der Insolvenzstatistik auf?

85 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe sind Einzelunternehmen. Sie beenden ihre Tätigkeit in der Regel durch Verpachtung der Flächen, Verkauf des Viehbestands oder eine ungeklärte Hofnachfolge, und keiner dieser Vorgänge erzeugt eine gerichtliche Bekanntmachung. In der Insolvenzstatistik sichtbar werden vor allem juristische Personen wie Agrar-GmbHs und Genossenschaften, von denen es 2023 rund 6.200 gab. Die amtliche Zahl von 96 Insolvenzen im Jahr 2025 bildet deshalb nur einen Bruchteil des tatsächlichen Strukturwandels ab.

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Kuch, M. (2026). 30+ Landwirtschaft-Insolvenzen Statistiken: Das Höfesterben. Insolvenzkarte. https://insolvenzkarte.de/blog/landwirtschaft-insolvenzen/

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Kuch, Max. „30+ Landwirtschaft-Insolvenzen Statistiken: Das Höfesterben.“ Insolvenzkarte, 23.07.2026, https://insolvenzkarte.de/blog/landwirtschaft-insolvenzen/

Quellenverzeichnis

  1. 1 top agrar (topagrar.com)
  2. 2 InsolvenzTracker (insolvenztracker.de)
  3. 3 Statistisches Bundesamt (destatis.de)
  4. 4 InsolvenzTracker (insolvenztracker.de)
  5. 5 Creditreform (creditreform.de)
  6. 6 IWH Halle (iwh-halle.de)
  7. 7 InsolvenzTracker (insolvenztracker.de)
  8. 8 Statistisches Bundesamt (destatis.de)
  9. 9 top agrar (topagrar.com)
  10. 10 Deutscher Raiffeisenverband (raiffeisen.de)
  11. 11 Statistisches Bundesamt (destatis.de)
  12. 12 Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt (wochenblatt-dlv.de)
  13. 13 Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband (wlv.de)
  14. 14 agrarheute (agrarheute.com)
  15. 15 Moderner Landwirt (moderner-landwirt.de)
  16. 16 InsolvenzTracker (insolvenztracker.de)
  17. 17 Statistisches Bundesamt (destatis.de)
  18. 18 Bayerischer Bauernverband (bayerischerbauernverband.de)
  19. 19 Bauernzeitung (bauernzeitung.de)
  20. 20 top agrar (topagrar.com)
  21. 21 INDat Report (der-indat.de)
  22. 22 InsolvenzTracker (insolvenztracker.de)
  23. 23 RWS Verlag (rws-verlag.de)
  24. 24 Insolvenz-Radar (insolvenz-radar.de)
  25. 25 BioHandel (biohandel.de)
  26. 26 Taspo (taspo.eu)
  27. 27 Tagesspiegel (tagesspiegel.de)
  28. 28 Bundesministerium für Landwirtschaft (bmleh.de)
  29. 29 Land & Forst (landundforst.de)
  30. 30 Allianz Trade (allianz-trade.de)
  31. 31 InsolvenzTracker (insolvenztracker.de)
Max Kuch

Über den Autor

Max Kuch

Gründer von InsolvenzTracker

Max Kuch ist studierter Ökonom und Digitalunternehmer. Über mehrere Projekte im Bereich Insolvenzen wertet er täglich die aktuellen amtlichen Bekanntmachungen aus und beobachtet die Entwicklung der Insolvenzen in verschiedenen Branchen, in Deutschland wie im europäischen Ausland. Seine Auswertungen verbinden offizielle Statistiken mit tagesaktuellen Daten direkt aus den Insolvenzgerichten und machen Trends sichtbar, oft lange bevor sie in der öffentlichen Statistik auftauchen. Sein Ziel ist es, wirtschaftliche Entwicklungen früh, faktenbasiert und verständlich einzuordnen.

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