Restaurants, Cafés, Imbisse und Bars gehören zu den sichtbarsten Verlierern der vergangenen Krisenjahre. Während die Firmenpleiten bundesweit auf den höchsten Stand seit über zehn Jahren klettern, gehört das Gastgewerbe durchgehend zu den am stärksten betroffenen Wirtschaftszweigen. Die folgenden über 30 Zahlen ordnen ein, wie groß das Problem wirklich ist.
1. Die Insolvenzwelle in Zahlen
Rund 2.900 Gastronomiebetriebe meldeten 2025 Insolvenz an.
Das ist der höchste Stand seit 2011 und zugleich das vierte Jahr in Folge mit steigenden Fallzahlen. Die Erholung nach der Pandemie ist damit endgültig ausgeblieben.1
Die Insolvenzen stiegen 2025 um rund 29,6 Prozent.
Knapp 30 Prozent mehr Pleiten als ein Jahr zuvor bedeuten fast eine Verdopplung gegenüber 2022, als nur 1.394 Fälle gezählt wurden. Der Aufwärtstrend hat sich zuletzt deutlich beschleunigt.2
In unserer Datenbank wird der Trend täglich sichtbar.
Bei InsolvenzTracker registrieren wir jede neue Insolvenzeröffnung aus dem amtlichen Justizportal, oft Wochen bevor die offizielle Statistik erscheint. Gastronomie und Systemgastronomie sind dabei klar überdurchschnittlich vertreten.3
Seit 2020 summieren sich 11.252 Insolvenzen in der Branche.
Über die gesamten Krisenjahre hinweg hat das Gastgewerbe damit eine fünfstellige Zahl an Verfahren angehäuft. Hinter jedem Fall stehen Beschäftigte, Lieferanten und Vermieter, die auf offenen Forderungen sitzen bleiben.4
Wir zählen ausschließlich echte Firmeninsolvenzen.
Für diese Auswertung filtern wir auf eröffnete Unternehmensinsolvenzen und blenden Privatinsolvenzen, Einzelunternehmer und Nachlassverfahren aus. Jeder Fall ist um Branche, Rechtsform, Standort und zuständiges Amtsgericht angereichert, so lässt sich die Gastronomie sauber isolieren.5
24.064 Unternehmensinsolvenzen gab es 2025 bundesweit.
Das waren 10,3 Prozent mehr als im Vorjahr und der höchste Wert seit 2014. Das Gastgewerbe trägt zu diesem Rekord überproportional bei.6
Das Gastgewerbe verzeichnete 108 Pleiten je 10.000 Betriebe.
Damit lag die Insolvenzhäufigkeit 2025 weit über dem gesamtwirtschaftlichen Schnitt und auf dem zweithöchsten Platz aller Wirtschaftszweige, nur knapp hinter Verkehr und Lagerei (133) und vor dem Baugewerbe (104).7
Jeden Tag kommen neue Fälle hinzu.
Auf der Insolvenzkarte sehen wir die Eröffnungen nahezu in Echtzeit. Gerade aus der Gastronomie ist kaum eine Woche ohne neue Einträge zur traurigen Normalität geworden.8
Die Firmenpleiten erreichten 2025 einen 20-Jahres-Höchststand.
Der IWH-Insolvenztrend des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle maß die höchsten Quartalswerte seit 2005. Besonders stark waren laut IWH die Zuwächse im Hotel- und Gastgewerbe.9
2. Eine Branche in der Dauerkrise
Die aktuelle Welle ist kein Ausreißer, sondern die Fortsetzung einer Entwicklung, die seit der Pandemie immer weiter eskaliert.
2024 stiegen die Gastronomie-Insolvenzen um 26,5 Prozent.
Schon vor dem Rekordjahr 2025 zog die Zahl der Pleiten kräftig an. Damit reihte sich Jahr an Jahr mit zweistelligen Zuwächsen aneinander.10
Bei Restaurants und Imbissen kletterten die Pleiten 2025 um 30,5 Prozent.
Im Catering und in der sonstigen Verpflegung lag das Plus mit 30,7 Prozent sogar noch etwas höher, bei der Getränkeausschank-Gastronomie bei 23,9 Prozent. Quer durch alle Teilbranchen geht es steil nach oben.11
2023 waren es 906 Insolvenzen, ein Plus von 35 Prozent.
Auch dieser Sprung folgte auf das Ausgangsjahr 2022 mit 670 Verfahren. Die Kurve zeigt seit dem Auslaufen der Corona-Hilfen ungebrochen nach oben.12
38,7 Prozent der Betriebe haben eine Eigenkapitalquote unter 10 Prozent.
Rund 32 Prozent wirtschaften mit negativer Marge, weitere 30 Prozent erzielen nur magere Gewinne unter 5 Prozent. Die finanzielle Substanz vieler Häuser ist dünn, ein schlechter Monat kann existenzbedrohend werden.13
Auf jede offizielle Insolvenz kommen rund zehn stille Schließungen.
Viele Wirte geben einfach auf, ohne ein Verfahren zu durchlaufen. Die Zahl der tatsächlich vom Markt verschwundenen Betriebe liegt damit um ein Vielfaches höher als die reine Insolvenzstatistik vermuten lässt.14
Im Juni 2024 galten 13.852 Gastrobetriebe als insolvenzgefährdet.
Das entsprach 11,7 Prozent der Branche, gemessen am Bonitätsindex. Die Quote der gefährdeten Betriebe lag damit höher als noch vor der Pandemie.15
3. Kosten, Umsatz und Mehrwertsteuer
Steigende Preise auf der Einkaufsseite treffen auf eine zurückhaltende Kundschaft. Das ist die zentrale Klemme der Branche.
Die Kosten sind seit 2022 um bis zu 40 Prozent gestiegen.
Wareneinsatz, Personal und Energie haben sich nach Angaben des Branchenverbands DEHOGA massiv verteuert. Diese Mehrkosten lassen sich nur begrenzt an die Gäste weitergeben.16
2025 war das sechste Jahr in Folge mit realen Umsatzverlusten.
Preisbereinigt schrumpften die Erlöse im Gastgewerbe trotz nominalem Wachstum. In der Gastronomie selbst lag das reale Minus bei 2,2 Prozent.17
Seit Anfang 2025 gilt wieder der ermäßigte Steuersatz von 7 Prozent.
Auf Speisen sank die Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent. Doch die Entlastung verpuffte weitgehend, weil die Betriebe sie nutzten, um gestiegene Kosten aufzufangen, statt die Preise zu senken.18
Die Beherbergung traf es mit plus 41,5 Prozent noch härter.
Während die Gastronomie 2025 ein Insolvenzplus von 26,3 Prozent verzeichnete, schnellten die Pleiten im Hotel- und Beherbergungsgewerbe noch stärker nach oben. Das gesamte Gastgewerbe steht unter Druck.19
2024 erwartete CRIF rund 1.190 Insolvenzen in der Gastronomie.
Schon die Prognose lag über 30 Prozent über dem Vorjahr. Als Treiber nannten die Analysten hohe Inflation, gestiegene Mehrwertsteuer und den anhaltenden Homeoffice-Trend.20
2024 verzeichnete die Gastronomie den achthöchsten Branchenanstieg.
Im ersten Halbjahr 2024 legten die Insolvenzen um 24,27 Prozent zu. Damit zählte die Gastronomie zu den am stärksten betroffenen Wirtschaftsbereichen überhaupt.21
4. Struktur und Beschäftigung
Hinter den nüchternen Insolvenzzahlen steht eine der beschäftigungsstärksten Branchen des Landes.
Rund 227.100 Unternehmen zählt das Gastgewerbe in Deutschland.
Damit gehört die Branche zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen nach Zahl der Betriebe. Die Gastronomie macht den weitaus größten Teil davon aus.22
Über 1,1 Millionen Menschen arbeiten sozialversicherungspflichtig im Gastgewerbe.
Im Juni 2024 waren mehr als 1,1 Millionen Beschäftigte in der Branche tätig. Jede Insolvenzwelle trifft damit unmittelbar einen großen Arbeitsmarkt.23
Der Branchenumsatz lag 2022 bei rund 100 Milliarden Euro.
Mehr als die Hälfte davon entfällt auf das Gaststättengewerbe. Die speisegeprägte Gastronomie ist innerhalb des Gastgewerbes der umsatzstärkste Teil, und genau hier ballen sich die Insolvenzen.24
Im Gastgewerbe kamen 2025 rund 52,7 Pleiten auf 10.000 Betriebe.
Im ersten Halbjahr 2025 lag die beantragte Insolvenzhäufigkeit deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Schnitt von 34,6. Nur Verkehr und Lagerei sowie das Baugewerbe lagen ähnlich hoch.25
Allein 2024 und 2025 gaben rund 24.500 Gastrobetriebe auf.
Restaurants, Cafés und Bars, die in nur zwei Jahren den Betrieb einstellten, summieren sich auf eine fünfstellige Zahl. Die offizielle Insolvenzstatistik zeigt nur die Spitze des Eisbergs.26
5. Regionen, Ketten und Ausblick
Berlin und Nordrhein-Westfalen führen beim Insolvenzrisiko.
Mit 14,6 Prozent gefährdeter Betriebe lag Berlin 2024 an der Spitze, gefolgt von Nordrhein-Westfalen (14,5 Prozent) und Sachsen (14,1 Prozent). Die Krise verteilt sich regional sehr ungleich.27
Die Insolvenzen ballen sich regional.
In unseren Daten konzentrieren sich die Gastro-Pleiten auf die Großstädte und touristisch geprägte Regionen. Wo viele Betriebe um dieselben Gäste konkurrieren, trifft ein Nachfragerückgang besonders hart. Die regionale Verteilung lässt sich live in unseren Statistiken nachvollziehen.28
Berlins Insolvenzspitze ging zuletzt auf Hotelpleiten zurück.
Das IWH führte einen auffälligen Anstieg in der Hauptstadt auf ungewöhnlich viele Hotelinsolvenzen zurück. Im Hotel- und Gastgewerbe wurden zuletzt neue Höchstwerte gemessen.29
Aus Ketten-Schlagzeilen werden einzelne Standortpleiten.
Was als Konzern- oder Ketten-Meldung beginnt, taucht mit Verzögerung als einzelne Insolvenz eines Restaurants, eines Franchisenehmers oder einer Tochtergesellschaft in den amtlichen Bekanntmachungen auf. Genau diese Fälle macht die Insolvenzkarte sichtbar.30
Die nächsten Fälle stehen schon in den Bekanntmachungen.
Fachleute erwarten für 2026 eine weitere Ausdünnung der Gastronomie. Solange Kosten und Konsumzurückhaltung die Margen drücken, dürften weitere Insolvenzen folgen. Wer wissen will, welche Betriebe gerade betroffen sind, sieht das auf der Insolvenzkarte oft Tage vor den Schlagzeilen.31